Kapellen entstanden aus geistigen Bedürfnissen und der Not der Menschen sowie deren Vertrauen auf Gottes Hilfe heraus. Es ist nicht sicher, wann und auf welche Initiative hin die Menschen begannen, Kapellen zu bauen. Die ältesten erhaltenen Kapellen in Slowenien stammen aus dem 17. Jahrhundert, Bildstöcke schon aus dem 15. Jahrhundert. Zuerst wurden sie zum Gedenken oder als Ermahnung an schon überstandene Unglücke im Leben erbaut, später wollten die Menschen mit deren Bau schon im Voraus Schutz vor Naturkatastrophen und anderen Plagen suchen. Die Menschen glaubten, dass man böse Dinge mit Gottes Hilfe ins Gute abwenden und sich vor allem Unheil schützen kann. Viele Kapellen und Bildstöcke wurden zum Dank für erhöhte Fürbitten erbaut. Diese werden Weih- oder Votivbildstöcke und -kapellen genannt. Einige prägen Wegstrecken, Richtungen, Übergänge oder Wegscheiden, bei anderen ist die Geschichte ihrer Zweckbestimmung schon längst vergessen. Alle jedoch sind „kleine Zeichen der Vergangenheit“, Teil der menschlichen Kreativität, die das Lebensumfeld gestaltet und zugleich bereichert.
Bis hin zum Zweiten Weltkrieg lebten die Kapellen ihr eigenes feines und volles Leben, als die Kapellen im Mirna-Tal zumindest einmal im Jahr vollständig zum Leben erwachten, und zwar im Mai, wenn sich bei den Maiandachten das ganze Dorf dort versammelte. Im Mai waren die Kapellen besonders hübsch mit Blumen geschmückt. Um die Dorfkapelle kümmerte sich gewöhnlich eine Dorfbewohnerin ihr ganzes Leben lang. Im Alter vertraute sie ihre Aufgabe dann einer jüngeren Verwandten an. Drei Kapellen von Šentrupert spielten eine bedeutende Rolle bei der besucherreichsten Prozession, nämlich der Prozession zu Fronleichnam im Mai. Die Prozession verlief so, dass zuerst die Kinder, die das Kreuz trugen, vorgingen, dann kamen die Männer mit Kirchenfahnen, dann Sänger und Geistliche, danach die in weiß gekleideten Mädchen mit Wachskränzen auf den Köpfen und zuletzt die Frauen. Die Prozession schlängelte sich von der Pfarrkirche bis zur Pestsäule in der Ebene von Šentrupert, von dort bis zum Kreuz unterhalb der Vesela Gora, dann zu einer kleinen Kapelle, die die Einheimischen für diese Gelegenheit aus Ästen und Tannengrün irgendwo auf dem Feld errichteten, und dann zurück nach Šentrupert zur Kapelle St. Florian und bis zur heute schon abgerissenen Marienkapelle beim Gasthof Jaklič. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es solche Prozessionen nicht mehr. Die Pestsäule in der Ebene, die erste Station der Fronleichnamprozession, wird von den Einheimischen auch die Kapelle von Rakovnik genannt. Ihrer Erzählung nach ließ sie der Schlossherr von Rakovnik zur Zeit der schweren Pestplage errichten, als die Toten außerhalb des Friedhofs rund um die Pfarrkirche im Ortszentrum beerdigt werden mussten, da der der Friedhof schon voll war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich das Schloss Rakovnik um die Pestsäule. Am Vorabend der Fronleichnamsprozession schmückten Mädchen die Kapelle mit Kränzen aus „Lipec“, einem lindenähnlichen Gewächs, und mit Tannengrün. Bei der Prozession wurde dort das Evangelium gelesen.
Die zweite Station der Fronleichnamsprozession war bei der Kapelle St. Florian. Die Dorfbewohner errichteten sie um 1870, als im Dorf ein großes Feuer ausbrach, in dem 22 Familien mitsamt Habe verbrannten. Bald danach sammelten die Dorfbewohner Geld und erbauten die Kapelle St. Florian, die dem Schutzpatron gegen die Feuergefahr gewidmet ist. Erbaut wurde sie von italienischen Maurern, die damals das neue Haus für den reichen Händler und Bauern Knez bauten. Das Bild des Schutzheiligen, gekleidet in eine römische Rüstung mit dem brennenden Šentrupert zu seinen Füßen, ist das Werk von Matija Bradaška.
Wie mächtig die Angst vor dem Feuer war, zeigt auch die Tatsache, dass Šentrupert bis zum Zweiten Weltkrieg einen Wachmann hatte, der von der Gemeinde bezahlt wurde. Nachts machte er stündlich seinen Rundgang durch die Ortschaft und sang: „Die Uhr schlug elf, die Nachtwache ihren Dienst antrat. Schütze uns, schütze uns vor Feuer, schütze uns vor Licht, St. Florian bitte hilf".
Bei der Kapelle St. Florian blieb die Fronleichnamsprozession am Tag des hl. Florian, am 4. Mai, stehen, denn nach der Messe versammelten sich vor der Kapelle die Feuerwehrleute, beteten Litaneien an alle Schutzheiligen und Vaterunser sowie sangen Lieder. Gewöhnlich wurde schon am Vorabend zu diesem Festtag vor der Kapelle die ganze Nacht hindurch gebetet. Die Kapelle ist noch heute mit Blumen geschmückt, an Samstagabenden und vor Feiertagen zünden Gläubige in der Kapelle Kerzen an.
Die dritte Kapelle, bei der die Fronleichnamsprozession stehen blieb, war die Marienkapelle, die bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abgerissen wurde. Den Einheimischen nach war dies eine der prunkvollsten Kapellen im Mirna-Tal. Jede Kapelle hat ihre Entstehungsgeschichte, die meisten jedoch sind längst vergessen. Ausnahmslos alle jedoch haben ihre bekannte Funktion, nämlich, dass sich die Gläubigen in psychischer Not an Gott wandten.
Die Einheimischen suchten auch in zahlreichen anderen Notsituationen, die das ländliche Bauernleben betrafen (Krankheiten beim Vieh, schlechte Ernte, schlechter Handel, usw.), bei Schutzheiligen Hilfe. In Straža unterhalb der Vesela Gora steht die Kapelle St. Nothburga, die der Schutzheiligen der Bauern gewidmet ist. Um für eine ergiebige Weinernte zu bitten, wurde von Winzern auf dem Oplenk eine Kapelle erbaut und dem hl. Martin geweiht. Um für gute Handelsgeschäfte und gesundes Vieh zu bitten, blieben die Markthändler auf der Vesela Gora bei der Kapelle in Trstenik stehen und beteten zum hl. Anton aus Padova.
Als Votivgabe wurde auch die Säule mit der Statue der schwarzen Maria auf der Vesela Gora aufgestellt, die jedoch heute, da es keine Pilger mehr gibt, vergessen und zugewachsen ist, sodass sie von der Straße fast nicht zu sehen ist. Die Statue soll der Schlosseigentümer auf der Vesela Gora als Danksagung für die Rettung von einem sinkenden Schiff und für die glückliche Heimkehr aufgestellt haben. Um die Säule stellte die Adelsfamilie eine Holzhütte und Bänke zum Beten auf. Vor dem Zweiten Weltkrieg zog die Prozession zu Pfingsten und zum Großen Frauentag auch zur Votivsäule mit der schwarzen Maria.
Bildstöcke in den Feldern sind Bestandteil der landschaftlichen Denkmäler und Ästhetik, sie sind dekorative Wahrzeichen der Landschaft. Entstanden aus geistigen Bedürfnissen, der Not und dem Vertrauen in Gottes Hilfe heraus. Es sind einfache Werke, die von fühlenden gläubigen Menschen errichtet worden sind. Sie hatten ihren inhaltlichen Schwerpunkt und markierten Unglücksorte, Pestgefahren und Entscheidungen. Kapellen haben eine liturgische Funktion und sind eine Art Ersatz für den liturgischen Raum für die Dorfgemeinschaft, wichtig auch deshalb, da sie die Dorfsilhouette bereichern und die Häuser im Dorf verbinden sowie das Antlitz des Dorfes prägen. Charakteristisch für diese Landschaft ist der Gekreuzigte in einer Holznische.